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Mein Weg zum Skeletonsport: 

Ich wurde am Samstag, den 8. Januar 1983 in Rodewisch geboren als 3. Kind von Karin und Walter Döring. Man könnte sagen, ich war das Geburtstagsgeschenk für meinen Vater an diesem Tag. Aufgewachsen bin ich in dem idyllischen Wintersportort Klingenthal im Vogtland. Meine Familie hatte ein riesiges Haus, das nur durch einen Bach vom Wald getrennt war. Meine beiden älteren Brüder, Enrico und Marcus, und ich wuchsen also in Mitten der Natur auf und wir hatten damals noch richtig schöne Winter mit viel Schnee und daher stand ich bereits mit 2 oder 3 Jahren auf den Ski um meinen Brüdern zu folgen. Meine Brüder bauten Schanzen aus Schnee die über den Bach führten und so halsbrecherisch es aussah – ich wollte unbedingt hinterher. Es gab keinen Blödsinn den wir ausgelassen hätten – Bäume hinauf klettern, Schlittschuh fahren auf einem halbwegs zugefrorenen Deich, den Hühnern die Eier unter dem Po wegklauen um Sandkuchen zu backen. Dem Vorbild meiner Brüder folgend, habe ich auch angefangen Akkordeon zu lernen, aber mir fehlte die Geduld und Ausdauer zum Üben. Irgendwann gab ich dem Drang nach Bewegung nach und entschied mich für den Sport und trat 1993 in meine erste Langlauftrainingsgruppe ein. Ich hier war noch längst nicht beim Leistungssport angekommen.

Ein Tag, der meine weitere sportliche Laufbahn nachhaltig prägte, war der 1. Mai 1994. An diesem Tag verunglückte der Formel 1 Fahrer Ayrton Senna tödlich beim Rennen in Imola. Ich muss dazu sagen, dass ich nie ein Formel 1 Fan vorher gewesen war und ihn bis dahin nicht kannte. Aber dennoch war ich derart von dem Tod dieses Ausnahmesportlers und faszinierenden Menschen betroffen, dass ich anfing mich intensiv mit ihm auseinanderzusetzen und alle Bücher über ihn las, die man damals erhalten konnte. Es war nicht allein Ayrton Senna‘s sportliches Talent das mich so faszinierte, sondern die Aura die ihn umgab und sein soziales Engagement für die Kinder in seiner Heimat Brasilien. Er sagte selbst über Brasilien, dass dort die „Reichen in einem Meer der Armut leben“ und er wollte an Einfluss gewinnen, um an dieser Situation in seiner Heimat etwas ändern zu können. Für ihn war die Bühne, um in diese Position zu gelangen, der Sport. Er war ein Volksheld in Brasilien und sein Tod erschütterte Millionen von Menschen – mich eben auch.

Unter dem Eindruck dieser Ereignisse habe ich mich dann entschieden den Sport intensiver zu betreiben. Das war keineswegs einfach – man konnte nicht hingehen zum Leistungszentrum und sagen: „He, hier bin ich und will mitmachen“. Ich musste mich erst durchkämpfen und durfte schliesslich im Herbst 1995 am Leistungsportzentrum in Klingenthal mit Langlauf beginnen. Vor meinem ersten wichtigen Wettkampf im Januar 1996 hatte ich im Abschlusstraining einen bösen Sturz mit den Skiern auf einer vereisten Abfahrt und erwachte im Krankhaus mit einer Gehirnerschütterung und einem gebrochenen Kahnbein. Insgesamt kostet mich dieser Unfall 6 Monate bis ich wieder normal trainieren konnte (also nicht nur einhändig, wie ich es die ganze Zeit tat). Während ich nach meinem Unfall krank geschrieben war, sah ich mir die Biathlon WM in Ruhpolding im TV an und war begeistert von dieser Kombination aus Langlauf und Schiessen. Im Sommer 1998 entschied ich mich zum Biathlon zu wechseln. Ich organisierte alles selbst – also meinen Schulwechsel und Umzug ins Internat. Im August 1998 bin ich dann von Zuhause weggegangen um in Altenberg/Sachsen mit Biathlon zu beginnen. Ich hatte einiges zu lernen mit dem Schiessen und mir blieb wenig Zeit dafür, da ich sofort mit dem Kleinkaliberschiessen eingestiegen bin. Meine grösste Schwäche als Sportler war damals meine mentale Verfassung. Ich versagte regelmässig wenn es darauf ankam am Schiessstand, weil ich meinen Kopf nicht im Griff hatte. Vor der Saison 1999/2000 stand ich vor der Entscheidung entweder zur Hochzeit meines Bruders zu gehen oder in ein Trainingslager zu fahren. Ich entschied mich für meinen Bruder und trainierte in der Zeit dennoch auch auf Schnee in Oberwiesenthal. Das hatte jedoch zur Folge, dass ich wieder eine Trainingsgruppe runter gestuft wurde und dies war dann der Anfang vom Ende meiner Biathlonzeit. Nach der Saison hörte ich mit Biathlon auf und weil ich noch ein Jahr bis zum Abitur hatte, wollte ich nicht die Schule verlassen. Es ergab sich schliesslich, dass ich mit der Rodlerin Cathleen Martini, die ebenfalls ihre Rodelkarriere beendete, ein Damenbobteam bildete. Ein merkwürdiger Sprung sicherlich – vom Ausdauersport zu einer Schnellkraftsportart. Die Zeit war spannend und trainingsintensiv – ohne Frage. Cathleen ist eine sehr talentierte und sichere Pilotin und ist heute eine der besten deutsche Bobpilotinnen. Während meiner Bobzeit kam ich dann schliesslich mit dem Skeletonsport in Berührung und als mir einige Leute vorschlugen doch mal Skeleton zu probieren, war meine Antwort noch: „Du spinnst doch – ich fahre da nicht runter.“

Ich lernte im Sommer 2000 bei einem Dorffest schliesslich Steffen kennen. Drei Jahre später heirateten wir.

Die Bobsaison 2000/2001 war anstrengend und ich merkte bald, dass es eine erhebliche Belastung für meinen Rücken ist. Es ging dabei weniger um den Sport selbst, sondern immer das Ein- und Ausladen des Sportgerätes, das ja ein erhebliches Gewicht hat. Und so schön eine Teamsportart ist – ich wollte wieder eine Sportart mit Eigenverantwortung. Also probierte ich im Februar 2001 doch mal das mit dem Skeleton aus. Ich war schon nach der ersten Fahrt begeistert und damit war mein weiterer Weg entschieden - ich hatte mehr als Feuer gefangen! 

Ich legte im Juni 2001 mein Abitur erfolgreich ab und hatte mich für eine Ausbildung zur Patentfachangestellten in einer Kanzlei in München entschieden. Steffen und ich zogen im Juli 2001 nach München. Wir suchten uns als Sportverein den Bayrischen Skeletonclub und im Oktober ging es dann los mit den Trainingsfahrten in Königssee. Steffen begann auch mit Skeleton – es gefiel ihm und er wollte nicht nur rumstehen, während ich fuhr und er hatte Talent. Es war einfach schön mit ihm diesen Sport gemeinsam ausüben zu können und er unterstützte mich wirklich unglaublich sehr. Meine erste Saison war ziemlich erfolgreich – besonders für einen Anfänger. Ich war die Nummer 3 bei den Juniorinnen in Deutschland und im darauffolgenden Jahr sollte es zum ersten Mal eine Junioren WM in Königssee geben. Je länger ich fuhr, desto mehr fing ich an zu sehr über das Fahren nachzudenken und meine mentale Stärke war nicht vorhanden, um den aufkeimenden Fragen und Zweifeln entgegen zu wirken. Ich "versagte" also in der nächsten Saison, als es um die Qualifikation für die JWM ging und durfte nur zusehen. Die darauffolgende Saison das gleiche Spiel. Ich war zwar im Kader in Deutschland, aber das war nicht das Entscheidende. Steffen war in dieser Zeit immer meine Stütze, der Mensch der an mich glaubte und mich unterstützte und wusste wie wichtig mir der Sport ist. Heute bin ich mir sicher, dass ich erfolgreicher gewesen wäre, wenn ich damals bereits mentales Training gemacht hätte um meine Nervosität und „Versagensängste“ in den Griff zu bekommen.

Die Saison 2005/2006 wäre meine letzte Juniorensaison gewesen und war die Saison, die ich brauchte um wieder in den Kader in Deutschland zu kommen. Dies ist wohl die wichtigste Voraussetzung, wenn man nach der Juniorenzeit in Deutschland weiterhin den Sport machen will und auch an den Selektionen teilnehmen möchte. 

15. Juli 2005 - An diesem Tag verunglückte Steffen tödlich bei einem Arbeitsunfall. Der Sport und alles andere trat mehr als in den Hintergrund für lange Zeit.

Die nächsten beiden Saisons bin ich nur sporadisch Skeleton gefahren und obwohl ich gerne in den Wettkampfsport zurückkehren wollte, waren meine Chancen in Deutschland verstrichen, weil ich inzwischen bereits kein Junior mehr war. Schliesslich hat ein Freund den Kontakt zum Tschechischen Skeletonverband hergestellt und nach einigen Anlaufsschwierigkeiten erhielt ich die Startgenehmigung für die Saison 2007/2008 für den Tschechischen Verband. Eine der Voraussetzungen dafür war jedoch auch, dass ich meine Rennen selbst finanziere. Ich starte meine ersten internationalen Rennen schliesslich im Europacup und konnte mit dem 5. Platz in Königssee und dem 6. Platz in Cesana gute Platzierungen einfahren. In der zweiten Saisonhälfte wechselte ich in den Intercontinental Cup und reiste zum ersten Mal auf die Bahnen nach Calgary/Kanada und Park City/USA. Der Höhepunkt der Saison war für mich die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Altenberg. Die WM war für mich sehr emotional, weil Altenberg die Heimat von Steffen war und ebenso meine zweite Heimat und ich vor den Augen meiner Familie startete. In der nächsten Saison fuhr ich den Intercontinental Cup komplett und nahm an der WM in Lake Placid teil.

Die letzte Saison war dann die olympische Saison und auch mein Traum war die Olympiateilnahme. Aber bereits im Vorfeld war mir klar, dass ich auf eine Art Wunder hoffen musste, weil ich den tschechischen Pass noch nicht habe und mir der Verband in Tschechien auch nicht wirklich helfen wollte und konnte um diesen zu erhalten. Man darf Olympia nur mit einem gültigen Pass für das entsprechende Land fahren. Im Vorfeld der Saison verabredeten Matt Skolnik (Slowakei), Emilio Strappason (Brasilien) und ich, dass wir eine Trainingsgemeinschaft bilden werden und die Rennen gemeinsam bestreiten und uns die Kosten für einen Trainer etc. teilen. Überhaupt einen Trainer zu finden, war bereits ein Abenteuer und schliesslich wurden wir mit Shaun Boyle (Australien) fündig. Es war eine aufregende, interessant und ganz sicher oft lustige Saison. Der beste Moment war für mich allerdings der ICC in Königssee bei dem ich den 6. Platz belegte. Ich war hinter den grossen Nationen Kanada, Australien und Deutschland die erste Sportlerin einer kleinen Nationen – um genauer zu sagen eine Einzelsportlerin. Es war ein gutes Gefühl und auch eine Bestätigung, weil ich diesen Erfolg ohne Unterstützung von einem grossen Betreuerteam erzielt habe und auch ohne finanzielle Unterstützung – aus eigener Initiative. Ich hatte alle Möglichkeiten mich für den Weltcup zu qualifizieren und habe diese Möglichkeit bei den beiden Rennen in Calgary verspielt, weil mein Schlitten kaputt war. Leider habe ich den Defekt meines Schlittens erst später bemerkt. Dennoch hatte ich einen Platz für Olympia, der meiner Nation angeboten wurde und den diese ablehnen musste, weil ich den tschechischen Pass nicht habe. Ich kann nicht beschreiben ,was für ein Gefühl das ist, wenn man weiss, dass man so nah an der Erfüllung seines Traumes ist und gekämpft hat und dann scheitert man an der Bürokratie. Wer mich kennt, der weiss was mir die Olympiade bedeutet hätte, aber das Leben geht weiter und nun gehen wir auf die nächste Saison zu und die WM in Königssee (meiner Lieblingsbahn) steht vor der Tür. Und vielleicht wird mein Traum von Olympia in Socchi 2014 wahr.

Ich liebe diesen Sport und solange ich dies spüre, werde ich weitermachen.

eure Michaela